Steckbrief Orang-Utan

Name
Orang-Utan
Größe
Kopf-Rumpflänge 125 bis 150 cm; Armspannweite bis 225 cm
Gewicht
m: 50 bis 100 kg, w: 40 bis 50 kg (Tiere im Zoo neigen dazu deutlich schwerer zu werden, m: bis 200 kg)
Alter
50 Jahre in der Natur (bis zu 60 Jahre in Zoos)
Nahrung
hauptsächlich Früchte, Blätter, junge Triebe, Rinde; selten aber auch Insekten, Vogeleier und kleine Wirbeltiere
Verbreitung
nordwestlicher Teil der Insel Sumatra
Lebensraum
tropische Regenwälder
Feinde
Sumatra-Tiger, Nebelparder, selten Krokodile und verwilderte Haushunde, Mensch
Fortpflanzung
Tragzeit 245 Tage; Nachwuchs meist 1, selten Zwillinge; Geschlechtsreife m: 8 bis 15 Jahre, w: ca. 7 Jahre

Sumatra-Orang-Utan (Pongo abelii)

Orang-Utans sind die stammesgeschichtlich ältesten Menschaffen. Sie werden auch als Waldmenschen bezeichnet und sind die einzigen Menschenaffen außerhalb Afrikas. Der Mensch und der Orang-Utan hatten bis vor rund elf Millionen Jahren gemeinsame Vorfahren. Noch immer stimmen 97 % des Erbgutes überein, dennoch sind Orang-Utans unter allen Menschenaffen diejenigen, die dem Menschen am wenigsten ähneln.

Der Körperbau der Orang-Utans ist perfekt an das Leben in den Bäumen angepasst. Ihre Arme sind sehr lang, die Hände hakenförmig, der Daumen kurz und nahe an der Handwurzel lokalisiert, die Beine kurz und sehr beweglich und die Füße handähnlich. Orang-Utans haben langes, rotbraunes Fell. Die Haare erfüllen im Regenwald eine wichtige Aufgabe, denn in den Tropen regnet es oft. Das Wasser läuft am langen Fell entlang und so bleibt die Haut darunter trocken. Orang-Utans kommen selten auf den Boden, vermutlich wegen der Bedrohung durch ihren größten Fressfeind, den Sumatra-Tiger. Daher sind diese Menschenaffen auf intakte Regenwälder mit vielen fruchttragenden Bäumen angewiesen.

Die Mehrzahl der Orang-Utans zieht als "Pendler" oder "Wanderer" umher. Sie sind meist einzeln anzutreffen und dauerhafte Bindungen gibt es nur zwischen Müttern und ihren Jungtieren. Die Jungtiere lernen während ihrer Entwicklung in den ersten fünf Jahren von der Mutter. Während der Aufzucht gibt es keinen weiteren Nachwuchs. Dennoch findet man keine strikte einzelgängerische Lebensweise unter den Orang-Utans, da sie mit Artgenossen interagieren.

Umherziehende Männchen erzwingen oft die Fortpflanzung. Opfer dieser erzwungenen Kopulationen werden zumeist junge oder rangniedrige Weibchen. Ansässige Männchen überwachen bei ihren Streifzügen die in ihrem Revier lebenden Weibchen, um sie vor erzwungenen Kopulationen zu schützen.

Manchmal schließen sich zwei Weibchen für mehrere Tage zur Nahrungssuche zusammen. Sie sind tagaktiv, wobei sie ihre Aktivitätshöhepunkte am Vormittag und am späten Nachmittag haben. Während der Mittagszeit halten sie Rast. Nachts errichten sie in den Baumwipfeln ein Nest aus Blättern, welches sie in der Regel jede Nacht neu bauen. Sie klettern langsam mit allen vier Gliedmaßen oder schwingen auf den Ästen.

Im Gegensatz zu anderen Menschenaffen sind Orang-Utans sehr ruhig. Die auffälligsten Laute sind die lauten Rufe der Männchen, die dazu dienen, ihr Revier abzustecken und Kontakt zu Weibchen herzustellen. Der Gebrauch von Werkzeugen kommt in der Natur selten vor, dennoch nutzen Sumatra-Orang-Utans Holzstöcke, um damit zu graben, zu kämpfen oder sich zu kratzen. Vor Regen und Sonne schützen sie sich mit großen Blättern, die sie sich über den Kopf halten.